Eine zur damaligen Zeit fortschrittlichen Einrichtung war das am 8. Juli 1911 eingeweihte Säuglings- und Kinderkrankenhaus in der heutigen Hansastraße. Entworfen hat das Ensemble der Weißenseer Architekt und Baustadtrat Carl James Bühring.
Das Säuglingskrankenhaus war eine unregelmäßige Anlage aus Hauptgebäude, Hörsaal, Isolierpavillon,Leichenhalle, Wirtschaftsgebäude, Stall und Wagenschuppen auf einem 85.000 m² großen parkartigen Grundstück. Es diente der Heilung und Pflege von vierzig Säuglingen bis zum Alter von zwei Jahren. Bei der Einweihung waren viele renommierte Mediziner Europas und Amerikas zugegen, die sich wegen eines Kongresses in Berlin aufhielten. Die Krankenzimmer waren alle nach Süden ausgerichtet und mit vorgelagerten Laubengängen versehen. Dort konnten die jungen Patienten bei schönem Wetter in ihren Bettchen an die frische Luft geschoben werden.
Das Krankenhaus hatte auch einen Hörsaal, der sowohl für die Ausbildung der Krankenschwestern als auch für Vorträge zu Säuglingspflege für die Bevölkerung genutzt wurde. So gab es im Hauptgebäude neben den üblichen Behandlungs- und Fürsorgeräumen Pflegezimmmer mit Durchreicheschränken zum Flur, dazwischenliegenden Bädern und einer vorgelagerten Terrasse sowie Schlafräume für die Schwestern, Mütter und Ammen. Sogenannte Bruträume für Frühgeborene wurden nach dem Prinzip „Ofenröhre“ allseitig von einem selbstregulierenden Heizsystem umspült. Eine weitere Besonderheit war die Milchkuranstalt mit 36 Kühen. Die Kinder bekamen dadurch immer frische Milch, was zur besseren Heilung führte. Die überschüssige Milch wurde im Milchhäuschen am Weißen See verkauft. Das Kinderkrankenhaus wurde 1996 geschlossen und ist seitdem dem Verfall preisgegeben.

